Bad Vilbel Open 2026
Text: Katrin Hanka
Schnellschach-Open 2026 oder Zum Glück habe ich keine Ananas gewonnen!
Zum 36. mal haben wir die Bad Vilbeler Stadtmeisterschaft ausgetragen. 161 Spieler und Spielerinnen haben sich am Sonntag im Forum Dortelweil am Brett gemessen. Das ist eine Rekordbeteiligung, die sogar die Teilnahme letztes Jahr am Hessentag in den Schatten stellt. Wow! Ich habe mich natürlich sehr über die rege Beteiligung gefreut, schon allein deswegen, weil unser erster Vorsitzender, Dieter Haas, versprochen hat den Vereinsvorsitz auch weiterhin zu übernehmen wenn das Turnier eine angemessene Teilnehmerzahl aufweist. Da wir dieses Jahr sogar eine Warteliste für die Teilnahme führen mußten, würde ich sagen, dieses Ziel haben wir erreicht und wir freuen uns, dass uns unser Dieter auch weiterhin in seinem Amt erhalten bleibt!
Aber ich habe mich auch gefragt, woher kommt diese rege Beteiligung? Woher kommen so viele Spieler? Als ich vor Jahren mit dem Spielen im Schachverein angefangen habe, wurde ich von meinem Bekanntenkreis skeptisch beäugt. „Schach? Das ist doch eine Alt-männer-beschäftigung und langweilig ist es obendrein! Nur freaks spielen Schach!“Möglicherweise hatte das Schachspiel mal diesen Ruf, aber den hat es meiner Meinung nach längst nicht mehr. Die vielen jugendlichen Spieler bestätigen mich in dieser Sichtweise. Zum einen kann man Schach auch wunderbar online spielen, womit es prima in die heutige Zeit paßt und zum anderen ist das freakige von damals das heutige nerdig und liegt damit voll im trend. Geist ist geil – um mal einen Werbeslogan zu aktualisieren. Serien wie zum Beispiel „das Damengambit“ wurden von Millionen gesehen und auch Romane, die sich um das königliche Spiel ranken, werden gelesen. Dieser neuen Blickwinkel auf das Schachspiel ist in meinen Augen absolut berechtigt, ich habe ja schon immer die Magie dieses Spiels gespürt. Für mich hatte Schach schon immer Ähnlichkeit sowohl mit einem Tanz als auch mit einem Duell. Natürlich möchte man seinen Gegner besiegen, einen Zug weiter vorraus denken als er und ihn schließlich schlagen, aber seien wir mal ehrlich, wir haben ebenso Spaß daran eine schöne Partie zu spielen. Den Angriff aufzubauen, den Gegner zu gewißen Zügen zu zwingen, selbst zu parieren wo es nötig ist…. so eine Partie macht mehr Spaß als ein profanes Schäfermatt.
Die Attraktivität des Schachs zeigt sich nicht nur an der gut vertretenen Jugend, sondern auch an den T-Shirts. Natürlich tragen viele Spieler Vereinsshirts auf so einem Open, aber es werden auch immer mehr lustige Shirts, die das Thema Schach haben. Da sage nochmal einer Schach wäre nicht vorzeigbar.
Aber nicht nur die Jugend, auch wir Frauen werden mehr. Ich erinnere mich an Turniere, wo ich als einzige Frau mitgespielt habe. Dieses Jahr waren es inklusive mir 15 Teilnehmerinnen! Weiter so, Mädels! Schach war viel zu lange eine Männerdomäne.
Man darf aber nicht vergessen, dass hinter so einer tollen Veranstaltung auch viel Organisationsarbeit und Vorbereitung steckt. Bei der Arbeit im Vorfeld hat uns freundlicherweise Dieter Post unterstützt, vielen Dank dafür!
Am Samstag haben unser erster Vorsitzender und ich erstmal einen Großeinkauf getätigt. Es waren Sachpreise zu besorgen und natürlich mußte auch für das leibliche Wohl gesorgt werden. Wieviel Butter braucht man zum Brötchen schmieren? Reicht ein Liter Milch für den Kaffee? Ist eine Ananas ein guter Sachpreis? Fragen über Fragen. Und nachdem Dieter und ich uns da am Samstag dann irgendwann mal geeinigt hatten, hatten unsere Vereinskollegen am Sonntag natürlich wieder eine andere Meinung dazu. Hinterher ist man immer klüger, soll heißen: ja, drei Stück Butter reichen; nein, 1 Liter Milch ist zu wenig und von der Ananas konnte ich Dieter Gott sei Dank abhalten. Wasser und Limonade hat uns großzügigerweise die Hassia spendiert – ein dickes Danke dafür an dieser Stelle. Bei der Hitze war das Wasser genau richtig.
Auch ein Danke an Hendrik und Uli, die Kuchen und Muffins gemacht haben (…bzw an ihre Frauen!). Ihnen haben wir es zu verdanken, dass die Spieler nicht mit metro-Tiefkühlkuchen vorlieb nehmen mußten. Und Dank gebührt natürlich Norbert. Unser Norbert spielt seltenst Schach, ist aber immer da wenn jemand fürs Catering gebraucht wird. Sowas ist einfach unbezahlbar! Aber eigentlich ist die Liste noch viel länger. Meine Vereinskollegen waren zum Aufbau da, sie waren zum Abbau da und auch in der Küche hatte ich dank Uli, Martin und Hartwig Hilfe. Ich hatte ja schon befürchtet alle Brötchen selbst schmieren zu müssen, aber dann hatte ich gleich drei Helfer und statt alleine arbeiten zu müssen, hatte ich plötzlich ganz andere Probleme. Wo ist der Unterschied zwischen „belegen“ und „drapieren“? Warum muß da jetzt dieses Grünzeug drauf und was ist das eigentlich (es war Dill…)? Müßen die Kerne echt aus der Paprika raus? Zwei meiner Helfer hatten zu Schulzeiten Mathe als Leistungskurs, aber leider ist die Standardabweichung beim Brötchenbelegen völlig nutzlos. Irgendwann habe ich ernsthaft überlegt die beiden in einem Kochkurs anzumelden, letztendlich haben wir es aber doch noch hin bekommen ein super Team zu bilden und unsere Brötchen haben bei den Spielern auch einen guten Anklnag gefunden. Besonders hat mich der Kommentar eines Spielers gefreut, der mir an der Theke gesagt hat, dass unser Catering das Beste Turniercatering überhaupt wäre. Anscheinend hatte er eine Rindswurst und keine der geplatzten Wiener….
Ja, natürlich ist es viel Arbeit und die machen wir alle neben unseren Berufen und Familienleben und sogar unsere Partner spannen wir noch mit ein. Aber wenn man dann sieht wie zahlreich die Anmeldungen sind und wie viele unsere Begeisterung für Schach teilen, dann ist es die Arbeit auf jeden Fall wert. Ich hoffe, alle Teilnehmer hatten unabhängig von Sieg oder Niederlage und trotz des warmen Wetters genauso viel Freude an dem Turnier wie ich.
Ich freue mich drauf Euch nächstes Jahr wieder zu sehen!
